Dienstag, 1. April 2014

Drei Monate als Vegetarierin: ein Résumée


Eine Auflistung meiner Erfahrungen/Gedanken:

1. Die vegetarische Ernährung habe ich wie angekündigt voll durchgezogen. Dabei hat mir der Verzicht auf Fleisch und Fisch gar nichts ausgemacht, und ich habe auch zu keinem Zeitpunkt plötzlich Appetit darauf bekommen (also kein "Reiz des Verbotenen", der sich plötzlich aufgetan hat).
Mein Befinden hat sich durch die vollständig vegetarische Ernährung nicht verändert, ich hab mich körperlich weder schlechter noch besser gefühlt. Das mag aber auch daran liegen, dass ich davor schon sehr wenig Fleisch und Fisch gegessen habe.

2. Ich bin in keine Situation gekommen, in der es mir unangenehm war zu sagen, dass ich mich vegetarisch ernähre, also z.B. in der ich eine mit liebe gekochte Speise ablehnen und jemanden kompromittieren musste.
Dennoch bin ich sehr erstaunt, wie gängig es noch ist, eine Fleischkomponente in sämtlichen Speisen vorzufinden.
Sei es auf den Speisekarten von Restaurants, die zu 80% aus Nicht-Vegetarischen Gerichten bestehen, bei einer Sandwichauswahl beim Bäcker/bei Caterern, wo lediglich ein paar Sandwiches am Rand "nur" mit altem Käse belegt sind, wo man andererseits zwischen Lachs, Thunfisch, Schinken, Krabben und Hühnchen wählen kann. Oder am Buffet im Hotel, wo auch das Gemüse oder den Nudelauflauf mit Tomaten aus mir unerfindlichen Gründen noch mit Speck ergänzt werden müssen.
Sprich, es ist durchaus möglich, sich vegetarisch zu ernähren, aber ich verstehe einfach nicht, warum es einem so schwer gemacht wird. Nach meinem Verständnis sollte es normal sein, sich grundsätzlich fleischlos zu ernähren und eben wenn man will, sich mal ein Stück Fleisch oder Fisch von Qualität zu gönnen, in dem Bewusstsein, dass das teurer ist und man demnach auch ein wenig mehr Geld dafür auszugeben bereit sein muss. Denn für mich ist die Rechnung einfach: Ueber das Zeitalter, wo Fleisch ein Statussymbol für Wohlstand ist, sollten wir doch mehr als 60 Jahre nach dem Ende der Weltkriege des verangenen Jahrhunderts nun hinaus sein, oder? In dieser Zeit ist der Produktionsprozess der Nahrung für Konsumenten sehr entfernt und ungreifbar geworden - und der Fleischkonsum irgendwie normal. Man muss sich keine Gedanken machen, wo dieses herkommt. Von einer fleischärmeren Ernährung würden wir alle und unsere Umwelt aus verschiedenen Gründen profitieren. Aber leider ist dieser gesellschaftliche Wandlungsprozess hin zu einer etwas bewussteren Ernährung maximal in den Kinderschuhen. Aber genug gepredigt für den Moment ....

3. Aufgerüttelt hat mich die Tatsache, dass ich trotz vegetarischer Ernährung nicht unabhängig bin von industrieller Massentierhaltung und z.B. wenn ich Mandeln aus Kalifornien esse ein paar Bienen auf dem Gewissen habe wie hier erläutert, nachdem ich die Dokumentation "More than Honey" gesehen habe.

4. Fragen, die ich mir stelle: Will ich als Vegetarierin nun auch auf Gummibärchen etc. (also Produkte mit Gelatine, die aus Knochen von Tieren hergestellt wurden) verzichten? Was ist mit Lederprodukten? Die Beantwortung dieser Fragen habe ich bisher aufgeschoben, da meine Schwäche was Süsses anbelangt bei Schokolade liegt und ich gar keinen Appetit auf Gummizeug hatte. Und Accessoires aus Leder und im Allgemeinen habe ich mir in den letzten Monaten ebenfalls nicht angeschafft.

Fazit:

Auch durch die Feststellung, dass ich mich durch vegetarische Ernährung noch lange nicht unabhängig von industrieller Massentierhaltung mache, finde ich, dass diese Lebensweise einen Schritt in die richtige Richtung darstellt. Da fange ich bei mir selbst an und deshalb ernähre ich mich auch weiter vegetarisch. In dieser Hinsicht setze ich mich auch gerne für Bewegung in einem meiner Meinung nach nötigen gesellschaftlichen Undenkprozess hin zu fleischärmerer Ernährung ein und spreche über meine Motivation. Viel wichtiger als Radikalität ist mir in jedem Falle aber ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln allgemein, also der Bezug möglichst regionaler, saisonaler und unbehandelter Lebensmittel. Sprich, bei genauerer Betrachtung komme ich zu dem Schluss, dass das Thema vegetarische Ernährung schlecht von dem Thema bewusstes Konsumentenverhalten separiert werden kann.

Kommentare:

  1. Ich hab deinen Post gerade zum zweiten Mal gelesen und muss sagen - du sprichst mir wirklich aus dem Herzen. Ich bin ja auch noch nicht lange vegetarisch und gerade dadurch, dass ich doch oft von meinem Umfeld nach Gründen gefragt werde, komm ich immer wieder ins Grübeln. Auch bei Ei- und Milchproduktion ist ja einiges im Argen, aber selbst wenn man sich vegan ernährt, bleiben solche Probleme wie mit den Mandeln. Vermutlich muss einfach jeder für sich herausfinden wie weit er gehen will und in welche Richtung - tierfrei, saisonal/regional, was auch immer. Der achtsame Umgang mit Lebensmitteln ist auf jeden Fall sehr wichtig.
    Ich war übrigens auch überrascht in wie vielen Gerichten doch Fleisch enthalten ist. Das ist mir vorher nie so deutlich aufgefallen.
    Liebe Grüße,
    Carla

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    1. Liebe Carla,
      danke für deinen Kommentar. Ich finde es sehr schön zu wissen, dass es auch andere Leute gibt, die sich über solche Themen Gedanken machen (und ähnlich denken wie ich).
      Grüsse,
      Sarah

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  2. Liebe Sarah,
    als ich Vegetarierin wurde hab ich mich mit den gleichen Sachen beschäftigt. Besonders bei Buffets und ähnlichem fällt einem auf, wie wenige vegetarische Sachen angeboten werden. Mit der Zeit gewöhnt man sich da dran! Es gibt übrigens auch sehr leckere Gummibärchen ohne Gelatine. Ich mag z. B. sehr gerne die von BioBon.
    Liebe Grüße
    Christine

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    1. Liebe Christine,
      find ich beruhigend, dass dir das auch aufgefallen ist mit der gerinen vegetarischen Auswahl überall (und du scheinst darauf wahrscheinlich schon länger zu achten als ich) - wenn auch schade. Danke für den Tipp mit den Gummibärchen.
      Grüsse,
      Sarah

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