Sonntag, 25. Juni 2023

Im Kräuterglück: Hollunderküchlein statt Sonntagskuchen

Es ist hier im Bodenseegebiet schon eine Herausforderung einen "nicht privaten" Hollunderstrauch zu finden (anders im Schwarzwald, wo der Holunder auch Ende Juni noch blüht). Aber gestern sind wir fündig geworden und haben richtig tolle Dolden gesammelt. Diese herrlich duftenden Gebilde werden getrocknet und ich hoffe, der Tee wird uns im Winter schmecken und uns schnell über alle Erkältungssymptome weghelfen. In der Hoffnung, dass weitere Dolden über über Nacht reif geworden sind, sind wir in aller Frühe zu "unserem" Hollunderstrauch geradelt und siehe da: Die Ernte hat gereicht für eine tolle Kaffeetafel für Zwei. 


Ich muss gestehen, ich bin total unerfahren, was Hollunderküchlein angeht. Meine Mama hat sie in meiner Kindheit nie gemacht und entsprechend habe ich mich angestellt beim Ausbacken. Ich habe immer die Bilder angeschaut im Internet und war sehr unschlüssig, in welchem Topf oder Pfanne mit welcher Menge Öl (möglichst nicht so viel) sie ausgebacken werden. Ich werde mich diesbezüglich nochmals bei erfahrenen Hollunderblütenbäckern erkundigen, wie sie das machen. Jedenfalls haben uns die mit Zucker-Zimt bestreuten Exemplare super geschmeckt.


Als Teig habe ich einen klassischen Pfannkuchenteig zubereitet. Unsere frisch geschlüpften Dolden habe ich nicht gewaschen, damit sie ihr Aroma nicht verlieren. Ich habe sie aber ausgeschüttelt,  falls sich doch noch irgendwelche kleinen Tiere eingenistet haben. Wichtig ist, dass alle Hollunderblüten ganz geöffnet sind, weil sie Küchlein sonst bitter schmecken. Zum Ausbacken habe ich Sonnenblumenöl verwendet.


Man macht wie gesagt einen Pfannkuchenteig, der etwas dickflüssig ist. Die Dolden hält man am Stängel, taucht sie in den Teig ein bis alle Blüten mit Teig bedeckt sind, nimmt sie wieder raus und lässt sie etwas ablaufen. Dann kommen sie in das heiße Öl, dabei am Anfang hin- und herbewegen, dass sich der Teig in den Zweigen verteilt. Wenn sie unten schön hellbraun sind, herausnehmen und auf Küchenkrepp das überschüssige Fett ablaufen lassen. Mit Zucker und Zimt bestreuen und möglichst warm genießen.

Dienstag, 13. Juni 2023

Auf mich eingestrudelt: Klassischer Wiener Apfelstrudel

Dass es auf diesem Blog nach all den Jahren noch kein Apfelstrudel-Rezept gibt, ist unglaublich! Ich liebe Apfelstrudel, es hat sich aber irgendwie nie ergeben, dass ich ihn selbst zubereite. Obwohl meine erste und letzte Erfahrung mit Strudelteig vor einigen Jahren positiv war, als es Quarkstrudel und Gemüsestrudel gab.

Manchmal kommen die Dinge aber einfach auf einen zu. In einem Roman, den ich gelesen habe, stand ein Rezept für Apfelstrudel. Und kennt ihr das Kinderlied »Apfelstrudel«? Man kann es zum Beispiel hier sehen und hören. Mein Sohn hat es geliebt und kam bei dem Lied aus dem Quietschen gar nicht mehr raus. Diese Assoziation mit Apfelstrudel wird mir wohl auf ewig bleiben ...
Jedenfalls liebe ich Apfelstrudel auch zum Essen und bestelle ihn auch gerne im Café. Jetzt, endlich, endlich, habe ich ihn nach dem Familienrezept auch einmal selbst gemacht.

Er ist unglaublich lecker - so schön obstlastig und der Strudelteig ist so schön knusprig, was sich toll ergänzt. Bei mir gehören die Rumrosinen dazu - wir machen dann immer drei Strudel und je nach Vorlieben die einzelnen Strudel mit oder ohne Rosinen. Ich habe am liebsten Vanillesauce dazu - im Idealfall selbstgemachte.

Apfelstrudel ist natürlich aufwendiger als ein Rührkuchen mit Äpfeln - aber wenn man sich Mühe gibt und Zeit nimmt, finde ich das mit dem Strudelteig absolut machbar. Und vor allem lohnenswert. 

Apfelstrudel

für 2-3 Strudel

Teig:
1 Portion Strudelteig

Füllung:
ca. 1,8 kg mürbe Äpfel
100 g Zucker
1 TL Zimt
1 EL Rum
1 EL Zitronensaft
150 g Rosinen (optional, plus 1 EL Rum)
100 g gehackte Haselnüsse (Mandeln gehen auch)
100 g Butter (Margarine geht auch)
60 g Semmelbrösel (Paniermehl geht auch)
100 ml Sahne

zum Servieren:
Puderzucker
Vanilleeis oder Vanillesauce

Die Rosinen im Rum zwei Stunden vor Backbeginn einweichen. Den Strudelteig nach dem Grundrezept zubereiten und im Anschluss 20-30 Minuten in eine Klarsichtfolie gewickelt ruhen lassen.

Die Äpfel schälen, vierteln, entkernen, in dünne Schnitze schneiden. Mit Zucker, Zimt, Rum, Zitronensaft, Rosinen und Nüssen vermischen.

Butter im Topf schmelzen. Den Strudelteig portionsweise ausziehen, erst mit zerlassenem Fett bepinseln, dann mit Paniermehl bestreuen und die Füllung portionsweise darauf geben. Den Strudel aufrollen, auf gefettete Blech legen und mit dem übrigen Fett bepinseln.

Im vorgeheizten Backofen ca. 40 Minuten backen; nach 20 Minuten mit Sahne bestreichen.

Den Strudel warm oder kalt mit Puderzucker bestäubt und Vanilleeis oder Vanillesauce servieren.


Hier noch die Fotostrecke zur Zubereitung:







Dienstag, 6. Juni 2023

Im Kräuterglück: Wildkräutersenf mit Fichtensprossen


Ich bin tatsächlich im Kräuterglück in diesem Frühjahr. Kräuter liebe ich ja schon immer. Da ich jetzt eine Ausbildung als Kräuterpädagogin begonnen habe, bin ich schon deshalb ganz motiviert, in diesem Frühjahr möglichst viele heimische Wildkräuter kennenzulernen. Ein gewisser Druck kommt bei mir auf, was ich zuerst tun soll. Wildkräuter sammeln solange sie noch zart sind, die Pflanzen ganz genau betrachten und bestimmen, neue Pflanzen kennenlernen, Blüten und Blätter zum Trocknen sammeln, Pflanzen für mein Herbarium pressen, neue Rezepte ausprobieren und, und, und ... Es macht großen Spaß.

Achtung: Ich möchte auch nochmals darauf hinweisen, dass man unbedingt darauf achten muss, nicht die giftige Eibe zu verwenden. Deshalb bitte vor der Ernte genau informieren!!


Das folgende Rezept ist aus dem schönen Buch "Wildkräuter" von Martina Merz. Diese ersten Fichtensprossen die ich verwendet habe, stammen tatsächlich aus dem richtigen Wald im Schwarzwald. Aber ich habe eine Quelle ganz in der Nähe bei mir Zuhause ausfindig gemacht!!
Die jungen Fichtentriebe kann man Ende Mai/Anfang Juni ernten solange sie noch hellgrün und ganz zart sind. Sie schmecken zitronig erfrischend und haben einen leicht harzigen Geschmack. Dabei sind sie auch noch gesund, weil sie viel Vitamin C, Mineralstoffe, ätherische Öle und Harze enthalten.

Wildkräutersenf mit Fichtensprossen

für ein kleines Glas

2 EL  zarte Fichtensprossen
1 TL Apfelessig
4 EL guten körnigen Senf
2 EL flüssigen Honig (z.B. Akazienhonig)

Die Fichtensprossen sehr fein hacken.
Alles vermischen und in ein Glas füllen.
Diesen Wildkräutersenf ein paar Tage, mindestens aber über Nacht ziehen lassen.