Dienstag, 18. Januar 2011

Zuckersüße Erinnerung an Spanien

Eines Tages während meines Auslandsaufenthaltes in Spanien kam mein südamerikanischer Mitbewohner mit einem Glas "Dulce de Leche" (übersetzen würde ich es als Süßigkeit aus Milch) an, und meinte, ich könne davon gerne mal probieren. Der karamellartige, sehr süße Brotaufstrich hat mir gemundet. Er hat seine Ursprünge in Argentinien, man kann Dulce de Leche in Spanien allerdings im Supermarkt kaufen, was ich, einmal auf den Geschmack gekommen, auch tat. In Deutschland habe ich Dulce de Leche nicht gefunden, deshalb habe ich mich auf die Suche nach einem Rezept gemacht und bin auf eine schöne Seite zur Herstellung von Popular Traditional Argentina Food gestoßen.

Mein Ergebnis sieht so aus:



Angeblich kann man die Milchkonfitüre auch durch Erwähmen von gesüßter Kondensmilch herstellen, ich habe mich allerdings für die Version mit normaler Milch entschieden. Zum Probieren und da ich nicht wusste, wie viele Abnehmer ich für das Produkt finde, habe ich mit einer kleineren Menge angefangen:

Die Anzahl der benötigten Zutaten beschränkt sich auf vier Stück:

1 Liter Milch
230 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker (mangels einer echten Vanilleschote)
1/4 TL Backpulver

Die Zutaten müssen alle nacheinander in einen Topf gegeben werden und dann bei mittlerer Hitze unter regelmäßigem Rühren zum Kochen bzw. Köcheln gebracht werden (das hat in meinem kleinen Topf für 1 l Milch ca. 30 Minuten gedauert). Durch weiteres Kochen dickt die Zuckermilch mit der Zeit ein und wird karamellartig. Das dauert allerdings eine Weile, je nach Topfgröße, Temperatur und Menge, 1-2 Stunden. Die Masse kann ruhig die ganze Zeit köcheln, sollte aber nicht überkochen oder so heiß werden, dass der Zucker am Boden schneller karamellisiert und klumpt als der Rest. Regelmäßiges Umrühren, vor allem nach einer gewissen Zeit, wenn die Masse dunkler wird, empfiehlt sich. Ebenso das Dabeibleiben zur Kontrolle der benötigten Zeit, vor allem beim ersten Kochversuch.
Wenn die Dulce de Leche die gewünschte Konsistenz erreicht hat (bei mir war das nach 1,5 Stunden Köcheln nach dem Erhitzen der Fall), vom Herd nehmen und abkühlen lassen. Die Masse dickt nach dem Abkühlen noch etwas mehr ein. Abgekühlt nochmals umrühren und in Gläser füllen.
Anmerkung 1: Das Volumen wird durch das lange Kochen und Verdampfen von Flüssigkeit natürlich kleiner. Aus 1 l Milch habe ich ein kleines Gläschen (s. Foto) Dulce de Leche erhalten.
Anmerkung 2: Auf meinem Foto sieht die Masse sehr hell aus, sie ist eigentlich dunkler. 

Auf der besagten Internetseite ist noch eine hübsche Anekdote (in Spanischer Sprache :-)) zu finden, die ich an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte:
Im Jahr 1829 trafen sich in Argentinien zwei ehemals verfeindete Generäle zu Friedensgesprächen. Als der General Lavalle im Lager des General Manuel de Rosas eintraf, machte er, müde wie er war, ein kleines Nickerchen, während er auf seinen Gesprächspartner wartete.
Eine Dienerin des Generall Manuel de Rosas bereitete unterdessen heiße Milch mit Zucker (lechada) für ihren Herrn vor. Zu ihrem Schrecken erblickte plötzlich sie den feindlichen General Lavalle und rannte los, um Hilfe zu holen. Als der General Manuel de Rosas auf die Magd aufmerksam wurde, beruhigte er diese und erklärte, dass der General Lavalle von ihm selbst eingeladen worden war. In der Aufregung hatte die Magd ganz vergessen, dass sie Milch aufgesetzt hatte. Diese hatte sich mittlerweile in eine bräunliche, sirupartige Masse verwandelt. Man sagt, ein sehr mutiger und ebenso hungriger Soldat traute sich, das neuartige Erzeugnis zu probieren (ich hab's übrigens gerade nachgeschaut, der General Manuel de Rosas wurde im selben Jahr wirklich Machthaber bzw. Diktator des Landes, in dem es in dieser Zeit nach der Unabhängigkeit von Spanien und vor der Gründung der argentinischen Republik sehr turbulent zuging).

Mehr oder weniger zufällig, entstand wie sicherlich so manch anderes äußerst leckere Kochrezept, was mir wahrscheinlich einige Leute bestätigen können, auch die Dulce de Leche!

Kommentare:

  1. Hallo Sarah, ich bin über Irene von Wdmatt auf deinen Blog gestoßen und beim Stöbern diesen Eintrag entdeckt. Dieses Naschwerk gibt es seit Jahrzehnten auch in deutschland und sogar unter einem deutschen Namen: bekannt als Milchmädchen (in einer Blechdose)!!! Man findet es in fast jedem Supermarkt im Regal mit Kondensmilch! Wenn du es in der Dose einige Stunden köcheln lässt, dann verwandelt es sich in festere Karamell-Creme. Beide Varianten kann man aber auch in russischen Spezialitätenläden erwerben (dort heißt es "Sguschönka")! Wie du siehst, muss man dafür nicht nach Spanien reisen :)
    Liebe Grüße
    Nellichen

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  2. Hallo Nellichen,

    das man Dulce de Leche alternativ aus süßer Kondensmilch herstellen kann, hatte ich auch gelesen, mich aber für die Variante mit der Milch entschieden, da ich annehme, dass so weniger Konservierungsstoffe drin sind und ich es irgendwie "originaler" finde. Die Dosen habe ich allerdings noch nie gesehen. Dass das ebenfalls in Russland populär ist, ist sehr interessant.
    Hab mich gerade auch kurz auf deinem Blog umgeschaut. Schöne Torten! Wenn ich mal eine backe, werde ich deinen Blog sehr genau anschauen.

    LG,
    Sarah

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